AZ-Artikel vom 19.02.2011



Karl Rainer Görke PilzeMarion Schöneberg - Rotlichter


Zwischen Sonnenstaub und Eiszapfen

Fotogilde Uelzen zeigt Bilder in der AZ-Ausstellung Februar in Bibliothek

Von Barbara Kaiser

Uelzen. „Das Leben ist eine missliche Sache“, war sich der Philosoph Arthur Schopenhauer sicher. Und weiter: „Ich habe mir vorgesetzt, es damit hinzubringen, über dasselbe nachzudenken.“ Da wollen wir froh sein, dass die Mitglieder der Fotogilde Uelzen in jedem Jahr über ein neues Thema und seine fotografische Umsetzung sinnieren. Derzeit sind die Ergebnisse der vergangenen zwölf Monate in der Stadtbücherei zu sehen. Das Thema lautet wenig schlicht „Herbst und Winter.“
Die Vereinsarbeit der Fotogilde, die im Jahr 2009 ihren 30. Geburtstag feiern konnte, baut sich auf drei Säulen. Erstens dem Konsens, dass Fotografie Leidenschaft sei. Dieser frönen die zurzeit 28 Mitglieder auf gemeinsamen Reisen, bei kollektiven Ausstellungsbesuchen oder an gemütlichen Abenden. Weil aber unter den Mitgliedern auch zwei Fotografenmeister sind, kann die zweite Säule, die der Technik, genauso professionell besprochen werden. Es wird experimentiert und getestet. Die meisten der Clubmitglieder fotografieren inzwischen digital. Drittens ist man dennoch der Auffassung, dass Kunst von Können kommen muss. Ausgeübte Fotografie gepaart mit einem Schuss Kreativität und der Blick für ein gelungenes Foto sind Vorraussetzungen für die Arbeit. Vieles, jedoch nicht alles, kann man lernen. Ein Häppchen talent gehört dazu. Die kritische Diskussion der eigenen Bilder an den regelmäßigen Vereinsabenden gehört zur hilfreichen Unterstützung,
Jeden ersten Donnerstag im Monat trifft sich die Fotogilde Uelzen im Restaurant am Königsberg und lädt dazu alle ein, die sich der Erfindung des Herrn Luis Daguerre mit Haut und Haaren verschrieben haben oder wollen!
www.fotogildeuelzen.de
Die Fotos der Ausstellung in der Stadtbücherei wandern durch die zwei Jahreszeiten, beweisen jedoch, dass diese alles andere als grau-trostlos und eis-erstarrt sind. Zugegeben, manche der Bilder scheinen von nicht allzu großer Raffinesse, ein Innehalten allerdings, ein Besinnen, ein leises „Ach, ja,“ hauchen sie ihrem Betrachter immer zu.
Da sonnt sich ein Schmetterling auf einer Distel, es wird einer seiner letzten Wonnen sein, wenn er nicht bald einen sicheren Platz für die nahende Kälte findet, erkennt der Besucher. Die morsche Birke wird den Winter vielleicht nicht überstehen, und der Baum mit den schneebehaupteten Pilzen an seiner Rinde ist auch unübersehbar schwach - aber wunderschön. In den Blicken, die die Fotografen uns vermitteln, steckt vielleicht, um zum Ausgangspunkt zurückzufinden, ein wenig vom subjektiven Idealismus Schopenhauers...
Mit Marion Schöneberg (zweite Vorsitzende), Eveline Theuerzeit, Wilhelm Landgrebe und Karl Rainer Görke zeigen vier Mitglieder der Gilde ihre Arbeiten. Karl Rainer Görke arbeitet nach wie vor in Schwarzweiß, mit einem Effekt, der den Bildern Sogwirkung einschreibt und beweist, dass das Nicht-Farb-Bild noch lange nicht „out“ ist. Wilhelm Landgrebes mit Schnee vermummte Hyazinthe zeigt die Kraft der Gegensätze - Winter im Widerstreit mit der aufblühenden Natur - in der Synthese.
Alle vier Fotografen inszenieren nicht, sie entdecken. Seltsamerweise sind die beiden Männer auf leiseren Füßen unterwegs, denn die Frauen haben eine Präferenz für das letzte, leuchtende Rot des Herbstes. Manchmal nimmt dessen Grelle den Fotos die Magie , die denen von Görke und Landgrebe unbedingt eingeschrieben ist.
Der Fotograf Arno Fischer machte in unserer Gegenwart ein zunehmend „optisches Analphabetentum“ aus. Bilder, die aus sich heraus erzählen, so erfuhr er immer wieder, seien immer weniger gewünscht. Offenbar ist auch hier die schlichte Einfalt gefragt, die die Parole jedem Betrachter gleich um die Ohren haut. Die Arbeiten der Fotogilde nehmen sich zurück, sie fragen und lassen vor allem Erfahrung zu. Und schön sind sie obendrein. 2011 stellen sich die Hobbyfotografen das Thema „Lichtstimmungen“, „Tiere“ und „Rundlingsdörfer im Wendland“. Außerdem werden in diesem Jahr wieder die französischen Partner der Gilde, mit denen sie seit über 25 Jahren Kontakte pflegen, zu Gast sein.
Wer das Fotografieren auch als seine Leidenschaft entdeckt und nicht weiter „nur so rumknipsen“ will, wie es Eveline Theuerzeit für sich in der Vergangenheit auf den Punkt brachte, sollte sich an die Fotografie wenden (Erster Vorsitzender: (0581) 43251, zweite Vorsitzende: (05802) 4540. Er wird Gleichgesinnte finden und vielleicht bei der nächsten Ausstellung, die die Gilde regelmäßig initiiert, dabei sein.



Wilhelm Landgrebe - HyazintheEveline Theuerzeit - Das letzte Sonnenbad

Seite 26